Ghosts And Errors
„Teenage Prose“ von GHOSTS & ERRORS ist eine intensive, zum Innersten gerichtete Platte, deren fragile Indie Folk Klangwelt zwischen Americana Anklängen, Detailverliebtheit und emotionaler Schwere oszilliert. Leichtfüßig ist sie selten, ohne dabei in bloßen Schwermut zu kippen. Vielmehr entfaltet sich hier ein eigenwilliger Kosmos, der über Jahre gewachsen ist aus einer ursprünglich reduzierten, akustischen Idee von Florian Stepper (Kaufmann Frust, Die Acid Kids) hin zu einem kollaborativen Projekt mit insgesamt 16 beteiligten Musiker*innen.
Ein Großteil der Aufnahmen entstand im Funkhaus Berlin, einem atmosphärisch aufgeladenen Ort zwischen Studio, Geschichte und künstlerischem Austausch. Weitere Sessions führten in ein abgelegenes Haus an der brandenburgisch sächsischen Grenze sowie ins andalusische Hinterland. Unterschiedliche Formen von Einsamkeit, Rückzug und Weite sind hier nicht nur Produktionsbedingungen, sondern hörbarer Teil der Musik geworden.
Neben Florian Stepper, der das Projekt als zentrale Stimme, Songwriter und treibende Kraft prägt, sind auf „Teenage Prose“ zahlreiche Gäste und Kollaborationen zu hören. Dazu zählen unter anderem Polar Noir, Maarten Vos (Cello), Luca Chesney, Ricardo Domeneck (Vocals, Lyrics) sowie weitere Musiker*innen wie Sarah Sauter, Sandra Gern, Jan Breier, Kevin Kuhn, Philipp Koch und viele mehr.
Entsprechend weit spannt sich das klangliche Feld. Zerbrechlicher Anti Folk trifft auf drängenden, fast manischen Post Punk, bevor sich die Songs wieder in weit ausladende Pop oder Kammermusik Momente öffnen. Instrumente wie singende Säge, spanische Laute, Klarinette, Cello oder Vibraphon tauchen dabei nicht als Effekte auf, sondern als organische Bestandteile eines größeren erzählerischen Zusammenhangs.
Die Platte lebt von ihren Brüchen und Perspektivwechseln. „Bluebird“ etwa setzt mit Klarinette und stoischem Beat eine schwebende, beinahe unwirkliche Stimmung frei, während „Out of Wine“ die Fragilität eines Lebens im Ungleichgewicht in kammermusikalischer Verdichtung auslotet. Zwischen Reduktion und Überwucherung entsteht ein Spannungsfeld, das sich nie vollständig auflöst, sondern stetig in Bewegung bleibt.
Auch in direkter Gegenüberstellung entfalten die Songs ihre Vielschichtigkeit. Während Stücke wie „Nothing“ mit minimalen Mitteln eine große cineastische Wirkung erzielen, verdichten andere Arrangements sich zu komplexen, fast orchestralen Gebilden, in denen sich Erinnerung, Gegenwart und Unsicherheit überlagern.
Live formiert sich GHOSTS & ERRORS als feste Band mit Florian Stepper, Bianca Steffen, Kevin Kuhn, Felix Nagel und Marco „Mini“ Mühlhans. Die Stücke werden dort neu interpretiert, direkter, roher und mit offenem Raum für Improvisation.
Was „Teenage Prose“ dabei besonders macht, ist seine Resistenz gegen schnelle Effekte. Die Songs entziehen sich bewusst eindeutiger Lesbarkeit und gewinnen mit jeder Wiederholung an Tiefe. Ein Album, das nicht auf den ersten Eindruck zielt, sondern sich langsam in die Wahrnehmung einschreibt.
Text von Nadine Schmidt (VISIONS, Ox, krachfink.de)