Größer könnten die Unterschiede zwischen Agnes (Katharina Thalbach) und Amir (Bardo Böhlefeld) kaum sein. Die Berlinerin zählt schon 101 Jahre und hat noch die Nazizeit erlebt, er ist 70 Jahre jünger und als iranischer Asylbewerber neu in der Stadt. Aber in Sachen Humor liegen sie auf einer Wellenlänge, und so wagen sie eine WG in Agnes’ geräumiger Altbauwohnung. Amir hat es im Heim für Geflüchtete nicht ausgehalten, und Agnes darf, wie ihr der Arzt erklärt hat, nicht mehr allein leben. Ins Altenheim will die muntere Frau, die ohnehin findet, dass sie gut zurechtkommt, auf keinen Fall. Als Amir fragt, was er tun müsse, um bei ihr wohnen zu dürfen, sagt sie: „Nichts.“
Die Wohlfühlkomödie der Regisseurin Helena Hufnagel (Generation Beziehungsunfähig), für welche Malte Welding (SMS für Dich) nach einer Vorlage von Paul M. Feldmann das Drehbuch schrieb, ist von einer wahren Freundschaft inspiriert. Im Abspann sind in kurzen Szenen die realen Vorbilder für die beiden Filmcharaktere zu sehen, wie sie ausgehen, scherzen, Spaß haben. Man erfährt, dass die Seniorin nicht mehr am Leben ist, aber 103 Jahre alt wurde. Auch die Filmfigur Agnes widersetzt sich auf erfrischende Weise dem Klischee, dass Leute, die gebrechlich wirken, nicht mehr viel unternehmen wollen. Amirs Gesellschaft holt Agnes aus der Isolation und lässt sie regelrecht aufblühen. Als junge Frau hatte sie gerne getanzt und sich mit ihrer ersten Liebe zu einer Meisterschaft angemeldet, nun schleppt sie ihren Mitbewohner zum Training für ein Tanzturnier, bei dem sie den Altersrekord brechen möchte.